Flughafen Tempelhof
 
 
 
 

Vom Exerzierplatz zum geschützten Denkmal

Historisches Foto (Archiv / Berliner Flughäfen): 1930 - Der Eingangsbereich des Flughafens
1930 - Der Eingangsbereich des Flughafens

Das erste, was auf dem Tempelhofer Feld in die Luft ging, waren die Drachen der Kinder auf dem ehemaligen Exerzierplatz. 1909 sah man bereits ein Objekt am Himmel, das der amerikanische Flugpionier Orville Wright steuerte und nach einer Weltflugrekordhöhe von 160 Metern sicher landete. Von da an ging es steil bergauf. 1923 hatte sich der vorausschauende Berliner Stadtbaurat Leonhard Adler mit seinem Plan für einen innerstädtischen Flughafen durchgesetzt. Noch bescheiden, aber immerhin, es gab Passagier- und Postflugzeuge.

1924 wurde die Berliner Flughafen-Gesellschaft mbH gegründet und bis 1927 entstanden fünf Flughallen, ein Scheinwerferturm, Funkstation, Abfertigungsgebäude, Warteräume, betonierte Rollbahnen, Besucherterrassen und ein Restaurant. Die Architekten Heinrich Kosina, Paul Mahlberg, später Paul und Klaus Engler, bereiteten das Feld für den Mann vor, der untrennbar mit Tempelhof verbunden ist: Ernst Sagebiel (1892-1970).

Da sich das Fluggastaufkommen von anfangs 150 in wenigen Jahren auf knapp 54.000 Personen belief, erhielt Sagebiel 1935 als Leiter der Abteilung Sonderaufgaben im Reichsluftfahrtministerium den Auftrag für einen kompletten Neubau. Was bis zum Kriegsbeginn 1939 entstand, ist in der Geschichte der Flughafenarchitektur bis heute beispielhaft. Der bekannte englische Architekt Norman Forster betrachtet den Gesamtkomplex als „Mutter aller Flughäfen“.

Historisches Foto (Archiv / Berliner Flughäfen): 1948 - Anflug auf Tempelhof
1948 - Anflug auf Tempelhof

Ganz und gar nichts Beispielhaftes, sondern die dunkelsten Seiten deutscher Geschichte dokumentierend, findet sich seit 1994 auf einem stählernen Mahnmal in Reichweite des Flughafengeländes am Columbiadamm. Ab 1933 wurde eine ehemalige Militärarrestanstalt auf dem Tempelhofer Feld von der Gestapo als Haftanstalt für politische Gefangene genutzt. Wenig später wurde aus der Haftanstalt ein Konzentrationslager, dessen Aufseher sich durch besondere Grausamkeit hervortaten. 1936, beim Ausbau des Flughafens, löste man das KZ Columbia auf, und die Gefangenen wurden in das KZ Sachsenhausen verlegt. Das Columbia-Gelände gehörte fortan zum Reichsluftfahrtministerium, in dem Ernst Sagebiel tätig war.

Der Gebäudekomplex mit einer Bruttogeschossfläche von 284.000 m² gehört europaweit zu den größten, blieb aber – kriegsbedingt – unvollendet. Im April 1945 zog zunächst die Rote Armee ein. Einige Wochen später übernahmen die Amerikaner das Flughafengelände, setzten Zerstörtes instand und begannen im Mai 1946 mit dem zivilen Luftverkehr auf der Strecke New York - Berlin.

Während der Berliner Blockade 1948-1949 landeten im Minutentakt Versorgungsflugzeuge, um West-Berlin am Leben zu erhalten. Pilot Gail Halvorsen warf während des Landeanflugs Süßigkeiten aus dem Cockpit. Andere Piloten machten es ihm nach, und es entstand die liebevolle Bezeichnung „Rosinenbomber“, und das Denkmal zu Ehren der verunglückten Piloten auf dem „Platz der Luftbrücke“ nannten die Berliner wegen seiner Form „Hungerharke“. Ab 1951 war Tempelhof, später auch Tegel, die einzige Möglichkeit für DDR-Flüchtlinge unkontrolliert aus West-Berlin herauszukommen. 1,5 Millionen Flüge wurden 1960 gezählt.

Historisches Foto (Archiv / Berliner Flughäfen: 1960 - Postkartenmotiv
1960 - Postkartenmotiv

Das enorme Fluggastaufkommen konnte Tempelhof allein nicht mehr bewältigen. Der in den Jahren 1974/75 errichtete Flughafen Tegel-Süd übernahm den Charter- und Pauschalreiseverkehr. Tempelhof wurde für den zivilen Luftverkehr geschlossen, um 1985 von Fluggesellschaften mit kleineren Maschinen wieder genutzt zu werden. 1993 übergab die US Air Force Tempelhof offiziell an die Berliner Flughafengesellschaft.

1996 wurde beschlossen, den „Zentralflughafen Tempelhof“ endgültig aufzugeben und den Flugverkehr zum Großflughafen Schönefeld zu verlagern.

Seit dem 1. November 2008 hat die BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH, eine Tochtergesellschaft des Landes Berlin, die Bewirtschaftung des denkmalgeschützen Gebäudes einschließlich der Freiflächen übernommen.

Seitdem besteht reges Interesse an der Nutzung dieses einzigartigen Geländes. Mehrere Projekte konnten bereits zum Abschluss gebracht werden. Weitere folgen. Die Geschichte des ehemaligen Zentralflughafens Tempelhof wird fortgeschrieben.